Verbuchung und Rechnungsstellung für digitale Downloads
Hallo liebe Community,
ich betreibe seit Oktober 2023 einen Etsy-Shop mit ausschließlich digitalen Downloads und stehe vor einer Herausforderung bei der Rechnungsstellung und Verbuchung meiner Einnahmen. Als Regelbesteuerer mache ich eine EÜR, und obwohl ich das Grundkonzept von „Ich <-> Etsy als Reseller <-> Kunde“ verstehe, inklusive der Umsatzsteuerabführung durch Etsy, komme ich bei einem Punkt nicht weiter: der Rechnungsstellung von mir an Etsy und der entsprechenden Verbuchung in Lexoffice.
Meine Recherchen führten zu zwei unterschiedlichen Ansätzen, von denen ich gerne wüsste, wie ihr sie handhabt und ob diese bei eurem Finanzamt bzw. Steuerberater Akzeptanz finden:
Variante 1 - Etsy-Zahlkonto als manuelles Konto in Lexoffice:
- Reverse-Charge-Rechnung von Etsy über Marketing und Gebühren wird entsprechend gebucht; Marketing, Transaktionsgebühren und Bearbeitungsgebühren werden einzeln zum Monatsletzten importiert.
- Umsätze werden NETTO zum Entstehungstag erfasst (ohne die von Etsy abgeführte USt).
- Eine Proforma-Rechnung (?) an Etsy über Netto-Einnahmen wird erstellt, dient jedoch nur als Beleg.
- Geld-Transit der Summe aus Netto-Einnahmen und Ausgaben wird dem überwiesenen Betrag auf dem Geschäftskonto zugeordnet.
Offene Fragen zu Variante 1:
- Sollte eine Proforma-Rechnung oder eine echte Rechnung ausgestellt werden?
- Falls Proforma-Rechnung, sollte diese im gleichen Nummernkreis wie normale Rechnungen sein oder einen separaten haben?
Variante 2 - Buchung nur des Überweisungsbetrags in Lexoffice:
- Erstellung einer Reverse-Charge-Rechnung über den tatsächlich eingegangenen Betrag.
- Etsy-Rechnung über Marketing und Gebühren bleibt unberücksichtigt.
Offene Fragen zu Variante 2:
- Wie wird die Pflicht zur Umsatzsteuerabfuhr gem. Reverse Charge auf Basis von Etsys Eingangs-Rechnung gehandhabt?
- Auch hier: Proforma-Rechnung oder echte Rechnung?
Ich bin momentan ohne Steuerberater und suche jemanden mit Erfahrung in Etsy-Buchhaltung (ich bin mir bewusst, dass ihr keine StB seid). Daher bin ich auf eure Praktiken und Erfahrungen angewiesen. Welche Methode nutzt ihr und wie wurde sie von den Behörden aufgenommen?
Hier die Quellen für meine bisherigen Informationen:
- Buchhaltung und Steuern für Etsy – Beschreibt Variante 1, nennt „Rechnung“.
- Kommentar von Kassenklingen (27/11/2021 um 18:33 Uhr auf derselben Seite) – Bezeichnet Variante 2 als ausreichend.
- Rechnungen für den Verkauf digitaler Produkte auf Etsy – Unterstützt Variante 2, empfiehlt „Proforma-Rechnung“.
- YouTube-Video Etsy Rechnung erstellen für digitale Produkte - Anleitung – Variante 2 mit „Proforma-Rechnung“.
- YouTube-Video Etsy Rechnung schreiben - muss ich eine Rechnung an meine Kunden ausstellen? – Variante 2, nutzt „Rechnung“.
- YouTube-Video 12 typische Fragen und Antworten rund um Etsy Buchhaltung - ab Frage 10 – Unterstützt Variante 1, nennt „Rechnung“.
- Digitale Produkte auf Etsy verkaufen - Reverse-Charge-Verfahren – Unterstützt Variante 1, verkauft Vorlage „Rechnung“.
Wie ihr seht, gibt es keine eindeutige Antwort im Internet. Daher wäre ich für jeden Ratschlag oder jede Erfahrung, die ihr in diesem Bereich habt, sehr dankbar. Sobald ich einen Steuerberater mit Zeit für Neumandanten finde, werde ich den das selbstverständlich auch fragen.
Vielen Dank im Voraus für eure Hilfe und Unterstützung!
Viele Grüße,
Florian
TheSyntheticStudio
·1 year agoHallo Florian,
ich bin in der gleichen Situation, und konnte bisher auch nach einem Jahr Etsy noch keinen Steuerberater finden, der neue Mandanten aufnimmt - und sich auch mit den Etsy-Besonderheiten auskennt. Daher kann ich Dir hier auch keine fachlich bestätigten Informationen geben.
Ich kann Dir aber gerne mein Vorgehen mitteilen, evtl. hilft es Dir ja, oder anderen die hierüber stolpern. Oder jemand kann (freundlicherweise) auch Fehler dazu aufzeigen
Ich nutze folgende Tools für die Buchhaltung:
- Sevdesk
- Billbee
- Kassenklingeln Tools
Etsy erstellt für digitale Verkäufe ja bereits Rechnungen für die Käufer, allerdings haben wir darauf keinen Zugriff. Daher erstelle ich über Billbee automatisch eigene Rechnungen für meine Etsy-Verkäufe mit dem Hinweis, dass diese bereits über Etsy bezahlt wurden. Diese werden dann automatisch in Sevdesk hinterlegt. Diese Belege kann ich dann mit den Positionen, die die Kassenklingeln Tools aus meinem Shop automatisch erstellt, und die ich in Sevdesk importiere, monatlich verbuchen. Somit ist jede Etsy-Buchung, ob Gewinn oder Gebühr, einem Beleg zugeordnet. Nach Erhalt der monatlichen Überweisung, erstelle ich eine Pro-Forma-Rechnung an Etsy über den erhaltenen Betrag mit dem Reverse Charge-Hinweis.
Für die Proforma-Rechnung würde ich einen neuen Nummernkreis erstellen.
Dein Post ist ja schon etwas älter, also falls Du evtl. mittlerweile konkretere oder gar steuerberaterliche Info hast, würde ich mich über Info über Dein aktuelles Vorgehen ebenfalls freuen, auch wenn wir unterschiedliche Programme nutzen
Weiter Viel Erfolg!